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Der Frauenfeindlichkeit entgegentreten

Brot für die Welt und Diakonie Deutschland zum Jahrestag der Pekinger Erklärung und Aktionsplattform

Berlin, den 1. Oktober 2020 - 25 Jahre nach der Pekinger Weltfrauenkonferenz hat noch keiner der 189 beteiligten Staaten die dort verabschiedeten Verpflichtungen erfüllt. Weltweit stellen heute rechtsradikale und frauenfeindliche Strömungen Frauenrechte in Frage. Daher ist es umso wichtiger, die Staaten an ihre Verpflichtungen von Peking und die Kirchen und die Gesellschaft an ihre Verantwortung zur Verteidigung der Rechte und der körperlichen und seelischen Unversehrtheit von Frauen zu erinnern. Brot für die Welt und die Diakonie Deutschland setzen sich in Deutschland und den Ländern des globalen Südens für eine nachhaltige Verbesserung der Situation von Frauen und Mädchen ein und fordern weltweit die rechtliche Verankerung und konsequente Durchsetzung von Frauenrechten.

Rechte, gleichberechtigte Beteiligung und Mitsprachemöglichkeiten für Frauen, ein Leben frei von Gewalt und gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit - das waren mehr als naheliegende Forderungen der Pekinger Aktionsplattform angesichts der zentralen Beiträge von Frauen für Wirtschaft und Landwirtschaft, für die Entwicklung, für Frieden und das Gemeinwohl in allen Ländern der Welt. Leider sind diese Forderungen auch ein Vierteljahrhundert später noch nicht eingelöst, wiewohl 2015 die Globale Agenda für nachhaltige Entwicklung noch einmal in Ziel 5 deren Bedeutung hervorgehoben hat. Die gezielte Diskriminierung und Verächtlichmachung, die den vielen Formen der Gewalt gegen Frauen den Boden bereiten, werden angeheizt von rechten Populisten und von Fundamentalisten aller Religionen. "In Zeiten von Covid19-Lockdowns toben Männer rund um den Erdball ihre Frustrationen in häuslicher Gewalt von ungekannter Massivität aus. Frauenrechtlerinnen werden in vielen Nationen mit Gewalt bedroht und verfolgt, Politikerinnen, Journalistinnen und Aktivistinnen bei uns und weltweit werden in Social Media-Kampagnen mit Androhungen sexualisierter Gewalt überschüttet und sollen zum Schweigen und zum Rückzug aus dem öffentlichen Raum gebracht werden", sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. "Rechtsradikale ermorden Frauen aus purem Hass. Das wird aber als eigenständiges Motiv bisher nicht ernst genommen. Zurecht werden der Antisemitismus und die Ausländerfeindlichkeit der rechten Narrative angeprangert - zu wenig stellt sich unsere Gesellschaft jedoch der Frauenfeindlichkeit als Element rechtsradikaler Ideologie entgegen."

"Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Kernelement unserer Demokratie. Der Antifeminismus geht mit dem Rechtspopulismus Hand in Hand und ist ein Vehikel, um rechtes Gedankengut auch dort zu verbreiten, wo ohnehin Vorbehalte gegen genderpolitische Argumente bestehen. Frauen werden deutlich häufiger Opfer von häuslicher Gewalt", sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland.

Auch in Deutschland gibt es erheblichen Nachholbedarf bei der Geschlechtergerechtigkeit.

"Noch immer verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Die schlechter bezahlten Care-Berufe sind nach wie vor überwiegend weiblich. In Parlamenten und wirtschaftlichen Führungspositionen sind Frauen unterrepräsentiert", so Loheide weiter.

Auch wenn die Staaten die Forderungen der Aktionsplattform von Peking nicht konsequent umgesetzt haben, bleibt sie ein wichtiger Meilenstein der Geschlechterpolitik. Zusammen mit der UN-Frauenrechtskonvention von 1979 und der UN-Resolution 1325 aus dem Jahr 2000 stellt sie das wichtigste multilaterale Abkommen zur Einforderung von Frauenrechten dar. Zu den zwölf benannten Handlungsfeldern gehören etwa die Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die Sicherstellung der Chancengleichheit im politischen, wirtschaftlichen und öffentlichen Leben und gleiche Rechte auf wirtschaftliche Ressourcen. Weltweit nutzen Frauen, besonders aus der Zivilgesellschaft, diese in der Plattform festgelegten Ziele und Forderungen, um ungleiche Machtverhältnisse und männliche Privilegien zu hinterfragen und die Gleichberechtigung der Geschlechter einzufordern.