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Die neue Loyalitätsrichtlinie und die Diakonie

Loyalitätsrichtlinie – was ist das?

Diese Richtlinie regelt kirchliche Anforderungen an die in privatrechtlichen Dienst- und Arbeitsverhältnissen beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienststellen und Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihres Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung e.V.  Den Gliedkirchen und ihren Diakonischen Werken wird empfohlen, ihre entsprechenden Regelungen auf der Grundlage dieser Richtlinie zu treffen.

Seit dem 1. Januar 2017 gilt die geänderte Loyalitätsrichtlinie.

Seit dem 1. Januar 2017 ist die Neufassung der so genannten Loyalitätsrichtlinie (Kurzbezeichnung für „Richtlinie des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland über kirchliche Anforderungen der beruflichen Mitarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie“) in Kraft. Die evangelische Kirche macht von ihrem verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrecht Gebrauch, wenn sie Bestimmungen zur Kirchenzugehörigkeit als Anforderung an die berufliche Mitarbeit in Kirche und Diakonie und zu den Loyalitätspflichten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erlässt. Sie sind Ausdruck ihres kirchlichen Selbstverständnisses. Mit der Neufassung der Loyalitätsrichtlinie sind jedoch maßgebliche Änderungen vorgenommen worden.

In den evangelischen Landeskirchen bedarf es für die Gültigkeit bzw. das Inkrafttreten der Loyalitätsrichtlinie erst der Umsetzung in den jeweiligen landeskirchenrechtlichen Regelungen, es sei denn, dass dort eine dynamische Verweisung verankert ist, die zur sofortigen Anwendung der Richtlinie führt.

Was wurde geändert und warum?

Im Wesentlichen öffnen sich die evangelische Kirche und die Diakonie stärker für die berufliche Mitarbeit von andersgläubigen Menschen.

Seit Inkrafttreten der vorherigen Fassung der Richtlinie im Jahr 2005 hat sich Deutschland noch einmal deutlich verändert: Die Bevölkerung ist säkularer, älter und kulturell vielfältiger geworden. Auch wenn es hier starke regionale Unterschiede gibt, nimmt die Zahl der arbeitsfähigen Kirchenmitglieder insgesamt weiterhin ab. Gleichzeitig wächst die Diakonie kontinuierlich. In den letzten 5 Jahren ist die Zahl der Beschäftigten in den ca. 30.000 diakonischen Einrichtungen um jährlich ein bis drei Prozent gestiegen, während mehr Menschen auch aus anderen kulturellen Kontexten betreut werden müssen. Erschwerend kommt der zunehmende Mangel an Fachkräften in verschiedenen Berufsbildern des Sozial- und Gesundheitswesens, insbesondere im Pflegebereich, hinzu.

Die Kernelemente der Neufassung der Richtlinie sind:

  • Es wird an dem bisherigen Grundsatz festgehalten, dass für die Arbeitsplätze überwiegend evangelische Christinnen und Christen eingestellt werden sollen.
  • Die Arbeitsplätze, die nicht schwerpunktmäßig zu den Bereichen Verkündigung, Seelsorge und evangelische Bildung gehören, werden stärker zugunsten von Christinnen und Christen anderer Bekenntnisse bzw. anderer Kirchenzugehörigkeit geöffnet.
  • Darüber hinaus werden die Arbeitsplätze auch stärker zugunsten von Menschen geöffnet, die keiner christlichen Kirche angehören.
  • Weiterhin wird in den Regelungen deutlicher herausgestellt, dass es die Aufgabe der Dienststellen oder Einrichtungen ist – und damit Aufgabe der Anstellungsträger – die kirchliche (evangelische) Prägung der Einrichtungen zu gewährleisten und nach innen und außen deutlich zu machen.
  • Um dies zu gewährleisten, sollen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergehender als bisher mit der Bedeutung und den wesentlichen Inhalten der kirchlichen Prägung durch Fortbildungen und andere Bildungsangebote vertraut gemacht werden.

Was bedeutet das für das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung und die diakonischen Einrichtungen?

Für das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung gilt die Richtlinie unmittelbar. Für die diakonischen Einrichtungen muss der Richtlinie erst von den Landeskirchen in ihren eigenen Loyalitätsbestimmungen umgesetzt werden. Die Umsetzung der Richtlinie ist für die Landeskirchen zwar nicht zwingend, ihr soll aber zugunsten einer Rechtsvereinheitlichung in der Regel gefolgt werden.

Im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) sind wir bereits mit den Mitarbeitenden in einen Dialog darüber eingetreten, was sich durch die Neufassung der Loyalitätsrichtlinie und die Öffnung auch für Menschen ohne Konfession für unser Haus konkret ändern wird. Nicht nur die übrigen diakonischen Anstellungsträger müssen interne Strukturen schaffen, die die evangelische Prägung ihrer Einrichtungen nach innen und außen noch deutlicher machen. Auch und gerade das EWDE muss sich aufgrund seiner herausgehobenen Stellung als Bundesverband hinsichtlich der Öffnung für nicht-kirchliche Mitarbeitende in der Öffentlichkeit und der Politik noch beweisen. Sowohl der Vorstand als auch die Mitarbeitenden des Hauses begrüßen die Öffnung ausdrücklich. Sie bietet die Chance, das eigene diakonische Profil zu schärfen und sich als moderne Organisation, die die religiöse und kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft glaubwürdig widerspiegelt, weiterzuentwickeln.

s.a. Fachtag Die "neue" Loyalitätsrichtlinie,


Dr. Kruttschnitts Reden Dr. Kruttschnitts Reden

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Ich bin so frei/ Jörg Kruttschnitt, 2016 (Öffnet neues Fenster)

Rede beim VEDD-Tag am 18. Juni 2016 in Eisenach

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Vision Transparenz 2030/ Jörg Kruttschnitt, 2016 (Öffnet neues Fenster)

Rede beim Symposium Gelebte Transparenz in Caritas und Diakonie, 16.-18.November 2016 in Berlin

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Die Johanniter in der Diakonie/ Jörg Kruttschnitt, 2015 (Öffnet neues Fenster)

Bundes-Pfarrertagung der Johanniter Unfallhilfe, 28.September 2015 Berlin