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Ausbildungsvorbereitung zur Pflegefachkraft im Kosovo

Internationales Ausbildungsprojekt zur Pflegefachkraft des Diakonischen Werks Württemberg mit APPK in Prishtina, Kosovo

Im Rahmen einer Hospitation erhielt Sophie Koch, Projektleiterin für Internationale Migrationssozialarbeit der Diakonie Deutschland, vor Ort einen Einblick in den Arbeitsalltag und das Verfahren des Ausbildungsprojekts: Sie nahm an den Auswahlgesprächen der Bewerber:innen für den nächsten Jahrgang teil, führte Gespräche mit den Absolvent:innen des Jahrgangs 2021/22, den Mitarbeiter:innen der Partnerorganisation APPK und Vertreter:innen von kosovarischen Behörden.

Ziel war, sich ein Bild von der Situation im Kosovo aus unterschiedlichen Perspektiven zu machen. Dabei wurden u. a. die Querschnittsfragen internationale Fachkräftegewinnung, globale Gerechtigkeit, migrations- sowie entwicklungspolitische Perspektive auf Migration und Mobilität in den Blick genommen.

Projektposition

Mit der Ausbildung von jungen arbeitsuchenden Menschen aus Drittstaaten zu Pflegefachkräften geht die Diakonie Württemberg einen neuen Weg bei der Gewinnung von Internationalen Pflegefachkräften, indem sie auf die Ausbildung von Migrationsinteressierten setzt.

Die Teilnehmer:innen werden im Ausland vorbereitet und in Deutschland zu Pflegefachkräften ausgebildet. Das Diakonische Werk Württemberg bietet mit der 3-jährigen Ausbildung zur Pflegefachkraft für junge Menschen aus Drittstaaten einen fairen, sicheren und legalen Weg der Migration nach Deutschland. Von diesem Angebot profitieren sowohl die jungen Menschen aus Drittstaaten als auch die Pflegeeinrichtungen in Deutschland.

Kurzbericht der Reise

Auch in diesem Jahr sind verschiedene Vertreter:innen der Träger und Einrichtungen der Diakonie Baden-Württemberg und Diakonie Deutschland nach Kosovo gereist, um gemeinsam mit der Beschäftigungsförderungsagentur APPK Gespräche mit jungen Menschen vor Ort zu führen, die 2023 eine Pflegeausbildung in Baden-Württemberg beginnen möchten.

Das Projekt möchte einen fairen und transparenten Weg der legalen Migration hin zu einer qualifizierten Arbeit in Deutschland ermöglichen, und ist somit auch eine vielversprechende Maßnahme zur nachhaltigen Personalgewinnung für viele Träger und Einrichtungen der Diakonie. 

Auf der Abschlussfeier des Jahrgangs 2021/2022 wurden zahlreiche Gespräche geführt und über 100 Kosovar:innen, Teilnehmer:innen am kosovarischen Vorbereitungskooperationsprojekt, für das Erlernen der deutschen Sprache (Niveau B2) und für das Vorintegrationstraining zertifiziert.

Es folgten Danksagungen an alle am Projekt Beteiligten - unter anderen sprachen Johannes Flothow (Projektleiter des Internationalen Ausbildungsprojekts, Diakonie Württemberg), Bedri Xhafa (Geschäftsführer der Partnerorganisation APPK), Jehona Namani Rexha (Leiterin der Arbeitsagentur der Republik Kosova) sowie Jörn Rohde (Botschafter der Deutschen Botschaft in Prishtina).

Im Vordergrund standen bei dieser Veranstaltung jedoch die jungen Kosovar:innen, die das Vorbereitungsprojekt erfolgreich abgeschlossen haben und noch in diesem Herbst in Baden-Württemberg ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen werden.

Ein weiteres Highlight der Reise bestand aus dem Besuch der Kindertagesstätte Floriani in Skënderaj. Es handelt sich dabei um ein Projekt - seit Beginn von der Diakonie Württemberg finanziert, das Kindern mit Behinderung in Skënderaj und Umgebung eine frühkindliche Förderung ermöglicht. Bei dem anschließenden Besuch des Bürgermeisters von Skënderaj betonte Johannes Flothow die Bedeutung des Projektes für die Stadt und die Förderung der Zusammenarbeit.

Das ganze Team des APPK war dabei ein hervorragender Gastgeber und Begleiter dieser Reise. (Vorlage dieses Kurzberichts von Carla Aichele, DW Württemberg)

Fachliche Überlegungen

Ein Fazit der Dienstreise ist, dass internationale Ausbildungspartnerschaften ein großes Potenzial innehaben, um die Negativwirkungen der internationalen Fachkräftegewinnung in Herkunftsländern zu reduzieren. Dafür muss jedoch sichergestellt werden, dass tatsächlich die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und nicht weiterhin eine fehlende Gegenseitigkeit und Vorteilsverteilung herrscht.

Es gibt Möglichkeiten der fairen internationalen Fachkräfte- und Ausbildungsgewinnung, indem zum Beispiel ausreichend kompensiert und in den „globalen Pool an Arbeitskräften“ investiert wird (z. B. nachhaltige Global Skills Partnerships mit Governance-Mechanismen, vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung 2020).

Noch sind die vorhandenen Praxiswege wie das Projekt des Diakonischen Werkes Württemberg sehr vereinzelt und finden bisher nicht die notwendige Aufmerksamkeit, um mit ihrem guten Praxisbeispiel für weitere Projekte und Maßnahmen voranzugehen und diese weiterzuentwickeln. Dennoch gilt das Projekt als gutes Beispiel, was die Qualifizierung von Pflegefachkräften unter Berücksichtigung entwicklungspolitischer Perspektiven angeht.

Zu beachten ist jedoch, dass der Mangel an Fachkräften nicht allein durch Migration bewältigt werden kann. Jeder Versuch ist „vergeblich, wenn wir nicht gleichzeitig in mehr Gesundheitspersonal investieren, für alle und überall“ (Friedrich-Ebert-Stiftung 2020) und die Bedingungen für Fachkräfte im deutschen Pflegebereich grundsätzlich anpassen.

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