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Gute Unternehmensführung in der Diakonie: Ein Spannungsfeld zwischen Organmitgliedergewinnung und rechtlicher Aufklärung

In der Diakonie engagieren sich über eine Million Menschen Tag für Tag, davon rund 700.000 ehrenamtlich. Die meisten unserer Einrichtungen sind Vereine, oftmals mit einem hauptamtlichen geschäftsführenden Vorstand. Viele Einrichtungen verfügen darüber hinaus über einen ehrenamtlichen Aufsichtsrat. Im Rahmen des Projekts „Rechtliche und wirtschaftliche Krisen in diakonischen Einrichtungen“ hat es sich die Diakonie Deutschland seit 2015 zur Aufgabe gemacht, Organmitglieder der Diakonie zu vernetzen und über ihre Funktion und Tätigkeit aufzuklären.

Im Rahmen von Fachtagen wurden die Kernthemen Krisenvermeidung in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sowie Grundlagen für eine gute Unternehmensführung behandelt.

Gute Unternehmensführung ist sehr facettenreich. Dabei geht es einerseits um rechtliche und betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse, andererseits um gute Personalführung und ganz entscheidend bei uns in der Diakonie um Wertevermittlung und den Dienst am Menschen. Nur wer selbst diakonisch denkt und handelt, kann ein Miteinander in der täglichen Arbeit gestalten.

Diakonische Corporate Governance Kodex (DGK)

Die Diakonie Deutschland hat dazu bereits 2005 eine Führungsrichtlinie veröffentlicht, den "Diakonischen Corporate Governance Kodex". Dieser wurde 2016 in Zusammenarbeit mit Diakonischen Werken und Einrichtungen überarbeitet. Der Kodex beschreibt wesentliche Grundlagen zur Stärkung der diakonischen Einrichtungskultur, insbesondere durch die Optimierung der Leitung und Überwachung diakonischer Einrichtungen.

Wie wichtig es ist, unsere diakonischen Ziele und Werte sowie unseren Kodex zu leben zeigt bedauerlicherweise ganz aktuell der Fall des Diakoniewerkes Bethel in Berlin (das nichts zu tun hat mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel!), in dem es um Vorwürfe unangemessener Gehaltszahlungen von Organmitgliedern geht. Der zuständige Landesverband der Diakonie, das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. (DWBO), hat hierzu ausdrücklich in seiner Stellungnahme vom 13.7.2017 erklärt:

Derart gravierende Verstöße gegen gute Unternehmensführung und den Diakonischen Corporate Governance Kodex gibt es unter dem Dach der Diakonie üblicherweise nicht, da Aufsichts- und Stiftungsräte in den Trägern der Diakonie den Vorstand kontrollieren und die Gehälter vereinbaren.

In seiner Stellungnahme forderte das DWBO das Diakoniewerk Bethel mit Fristsetzung bis zum 31.7.2017 ultimativ dazu auf, unverzüglich Konsequenzen auf der Organebene zu ziehen.

Dieser konsequenten Haltung können wir uns nur anschließen. Wir erwarten von unseren Mitgliedern einen verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen und transparente Aufsichtsstrukturen. Die Vorgänge beim Diakoniewerk Bethel widersprechen in der dargelegten Form den Grundsätzen der diakonischen Arbeit.

Dieser Fall zeigt uns  auch, dass wir nicht aufhören dürfen, aufzuklären und unsere Organmitglieder zu vernetzen. Der Diakonische Corporate Governance Kodex gibt dazu eine gute Hilfestellung.

Links

  1. Diakonischer Corporate Governance Kodex
  2. Stellungnahme des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. vom 13.7.2017
  3. Stellungnahme des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. vom 01.8.2017