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Geflüchtete Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt schützen

Fachtag „Schutz von geflüchteten Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt“ am 23.09.2016 in Berlin

Die Diakonie Deutschland war Ende September Gastgeberin der Fachveranstaltung "Schutz von geflüchteten Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt",  die von der Frauenhauskoordinierung gemeinsam mit den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege durchgeführt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration geförderten wurde.

Das Ziel war, für alle, die sich für den Schutz von geflüchteten  Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt engagieren oder zukünftig engagieren wollen,.eine Plattform zur fachlichen Diskussion und Vernetzung zu bieten.Mit rund 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

Im Zentrum der Vorträge und Workshops stand die Frage, wie geflüchtete Menschen besser vor geschlechtsspezifischer Gewalt geschützt werden können. Diskutiert wurden etwa der Mangel an Privatsphäre und die Diskriminierung und Gewalt begünstigenden Strukturen in den Notunterkünften, wo Frauen und LSBTI*-Personen besonders häufig von Übergriffen betroffen oder bedroht sind. (Mehr dazu hier).

Wichtig ist die Zusage bundesweiter Förderpakete, die auch Projekten in diakonischer Trägerschaft zugute kommen können. 

Die Diakonie Deutschland begleitet dabei 30 unterschiedliche Projekte:

Projekt: „Empowerment von Flüchtlingsfrauen“

  • Grundlage: Rahmenkonzept der BAGFW „Projekte zur Unterstützung von Frauen mit Fluchterfahrungen bzw. anderer besonders schutzbedürftiger Personengruppen“
  • Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
  • Projektlaufzeit: 02.04.2016 bis 31.12.2016

Projektziele

Das Projekt zielt auf die Berücksichtigung der besonderen Schutzbedürftigkeit von Frauen und LSBTTI*  durch ein breites Unterstützungsangebot, um diesen einen angemessenen Schutz und Hilfe bei allen Formen der Gewalt, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus oder der bestehenden Bleibe-perspektive, zu gewährleisten.

Das Projekt richtet sich zunächst an die Gliederungen und Einrichtungen der Diakonie Deutschland, die in oder in Bezug auf eine Einrichtung der Flüchtlingshilfe entsprechende Angebote für besonders schutzbedürftige Geflüchtete aufbauen oder verstärken wollen. Das Gesamtprojektziel liegt in der Unterstützung von geflüchteten Frauen und LSBTTI*-Geflüchteten, um ihnen zu einem selbstwirksamen und selbstbestimmten Leben zu verhelfen.

Projektinhalte der Projekte der Diakonie Deutschland

Im Rahmen des Projektes werden an 30 Standorten der Diakonie Deutschland Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten für besonders schutzbedürftige Geflüchtete, insbesondere Frauen geschaffen. Dazu gehören beispielsweise aufsuchende Beratungsangebote und der Aufbau von Wohngruppen oder Einrichtungen für geflüchtete Frauen, insbesondere:

  • Konzeptentwicklung und Durchführung von Schulungen der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeiten-den zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt
  • niedrigschwellige Informationsveranstaltungen für Frauen zu den Themen Orientierung im Alltag, Leben, Grundrechte, Werte und kulturelle Besonderheiten in Deutschland
  • spezifische Informationsveranstaltungen für Frauen zum Thema Gewaltprävention
  • psychosoziale Einzelfallberatung und ggf. Vermittlung an weiterführende Hilfeangebote, psycho-edukative Einzel- und Gruppenangebote an Frauen zur Stärkung der eigenen Ressourcen und zur Förderung der Solidarität untereinander,
  • Auf- und Ausbau von niedrigschwelligen Selbsthilfestrukturen
  • niedrigschwellige Angebote speziell für geflüchtete Frauen mit und ohne Kinder, z.B.  Begegnungscafé
  • Hilfe bei administrativen Angelegenheiten
  • Unterstützung bzgl. der Realisierung gesundheitlicher und therapeutischer Hilfen
  • Beratung in Fragen der Bildung und des Spracherwerbs (z.B. Aufbau und Vermittlung von Sprachpartnerschaften)
  • Sensibilisierung von Sprachmittlern, die oft die erste Anlaufstelle von Gewaltopfern sind und viel-fach die einzigen Personen sind, mit denen Geflüchtete täglich Kontakt haben
  • Thematisierung der rechtlichen und sozialen Situation in workshops etc.
  • Aufarbeitung frauenspezifischer Gewalterfahrungen hinsichtlich der Kultur und des Herkunftslandes in workshops etc.

Hervorzuheben ist der Arbeitsschwerpunkt im Bereich Menschenhandel. Die Diakonie Deutschland ist ein Wohlfahrtsverband mit langjähriger Expertise in diesem Bereich, in dem eine Vielzahl von Einrichtungen und Diensten in evangelischer und diakonischer Trägerschaft tätig sind. Folgende Maßnahmen sind zusammenfassend geplant:

  • Unterstützung und Beratung, Schulungen zu Menschenhandel und frauenspezifischen Fluchtgründen und Beratung besonders schutzbedürftiger Flüchtlingsfrauen, vor allem aus Westafrika
  • Schulung von Akteuren im Asylsystem zu Menschenhandel und zu frauenspezifischen Fluchtgründen v.a. zu Westafrika (z.B. Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung)
  • Identifizierung von Betroffenen (Betroffene von Menschenhandel, Frauen mit frauenspezifischen Fluchtgründen), psychosoziale und asylrechtliche Beratung und Unterstützung
  • Beratungsangebote zur Information über rechtliche und psychologische Beratung („Brücken bauen“)
  • Schulung von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden im Bereich der Flüchtlingshilfe über die besondere Situation von Flüchtlingsfrauen, die von Menschenhandel betroffen sind.

Koordination und Vernetzung

Die Koordination der unterschiedlichen Maßnahmen und die Abwicklung des Gesamtprojektes Diakonie Deutschland übernimmt der Bundesverband. Je nach Arbeitsschwerpunkt werden für gemeinsame Aufgaben mit den anderen Verbänden weitere Bundeskoordinierungsstellen mit einbezogen.

  • So wird z.B. der Bundeweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK)  mit einbezogen, der Informationen verbandsübergreifend sammelt, sortiert und in geeigneter Form zur Verfügung stellt.
  • Im Rahmen dieses Projektes konnten Projektmittel für die Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) zur Verfügung gestellt, vor allem für die verbandübergreifende Vernetzung, Koordinierung sowie für die Sammlung und Aufarbeitung von Informationen. 

Ansprechpartnerin:  Johanna Thie,  johanna.thie@diakonie.de

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